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Freitag, 27. Mai 2011

ADHS allgemeine Informationen


Um Kindern mit ADHS besser verstehen zu können, ist ein umfassendes Wissen über das Verhalten und die Symptome notwendig. Betrachten wir  ADHS etwas genau schauen wir auf die Verhaltensweisen von Kindern mit einer Aufmerksamkeitsstörung.

Typische Verhaltensweisen bei ADHS
Anhand der Geschichte von Samuel (8 Jahre) kann dies aufgezeigt werden.
Er fällt sowohl in der Schule als auch zu Hause durch seine typisches Verhalten(Hyperaktivität) und zusätzlich durch starke Ablenkbarkeit auf. Zuhause spielt er im Minutentakt mit anderen Spielsachen, aber es wird kein Spiel zu Ende gespielt und auch nichts weggeräumt. Jeweils nach kurzer Zeit wird alles als langweilig und unattraktiv links liegen gelassen. Beim Mittagstisch bleibt er kaum mal ruhig sitzen. Er rennt in die Küche um sich noch einen Kuchen zu holen, auf halbem Weg fällt ihm ein, dass auch seine Katze noch nichts zu essen bekommen hat. Nach einigen Minuten kommt er zurück mit der Katze in der Hand ohne seinen Kuchen, den er in der Küche auf der Ablage hat liegenlassen. Seine motorische Unruhe lässt in fast ständig auf Achse sein und er kann sehr schlecht einschlafen. Beim Fernsehschauen kann er bei den spannendsten filmen nicht ruhig sitzen bleiben. Zudem führt sein Verhalten zu dauernden Streitigkeiten mit seinem kleineren Bruder (6 Jahre)
Die Kindergärtnerin und später der Klassenlehrer berichten, dass Samuel den Unterricht stört. Nebst seiner unruhigen Art entwickle er zunehmend eine aggressive Verhaltensweise. Er benützt nicht nur schlimme Schimpfwörter sondern fordert schwächere Kinder heraus und ärgert ganz gezielt seine Klassenkameraden. Seine schulischen Leistungen sind oft schlecht, obwohl es wohl kaum an seiner Begabung liegen kann. Samuel ist ein Einzelgänger und in der Klasse isoliert, weshalb niemand neben ihm sitzen will. Aufgrund des schwierige Verhaltens des Kindes und auf Anraten des Lehrers hatte sich die Familie beraten lassen und einen Spezialisten aufgesucht. Die psychologische Untersuchung belegt bei Samuel eine überdurchschnittliche Intelligenz in speziellen Gebieten ansonsten jedoch durchschnittlich, mangelnde Selbststeuerungsfähigkeit und unzureichende Aufmerksamkeitsleistungen.



Die drei wesentliche Merkmale von ADHS( siehe Beispiel)
·         Unaufmerksamkeit
·         Hyperaktivität
·         Impulsivität
Diese drei Merkmale bilden die Hauptsymptome von ADHS und werden bei
Kindern mit ADHS, weit häufiger und ausgeprägter als bei unauffälligen Kindern im vergleichbaren Entwicklungsalter beobachtet. Die Symptome können sehr verschieden, gemeinsam oder getrennt in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Durch eine mangelnde Aufmerksamkeitsorientierung (Unaufmerksamkeit) und nicht Zielgerichtes Verhalten, fällt es Kindern mit ADHS schwer, Einzelheiten zu beachten oder länger an einer Sache dran zu bleiben. Die Dinge verlieren ihre Attraktivität für die Kinder und vermeintlich Interessanteres wird in rascher Abfolge begonnen. Beim Lösen von Aufgaben verlieren Sie schnell ihr Ziel aus den Augen und vergessen, was sie eigentlich tun wollten. Dies lässt Sie oftmals als unordentlich, unzuverlässig und vergesslich erscheinen. Zudem versuchen sie länger andauernde geistige Anstrengungen zu vermeiden.


Die Hyperaktivität beschreibt bei ADHS Kindern eine sehr gross motorische Unruhe Sie zappeln, rennen umher, können nicht ruhig sitzen bleiben. Verstärkt wir dies zusätzlich auch durch ihren Rededrang. Sie wirken dabei ungesteuert und umtriebig. Ihr vorschnelles Antworten und unbedachtes Verhalten sind dabei die Folge einer übermäßigen Impulsivität. Die Kinder beantworten Fragen, noch bevor Sie zu Ende gestellt wurden. In der schule fällt es ihnen schwer,abzuwarten, bis auch sie an der Reihe sind. Dies lässt Kinder mit ADHS oft gegen Regeln verstoßen; sie stören oder unterbrechen andere und erfahren als Reaktion häufig Ablehnung. Sie haben die Neigung zu unbedachten Aktivitäten, die zu erhöhten Gefahren führen können.

Montag, 23. Mai 2011

Ritalin nur im Notfall

Was ist Ritalin?
Ritalin ist das bekannteste Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat und hat eine stimulierende Wirkung. Er gehört zu den Amphetamin-ähnlichen Substanzen, die derzeit hauptsächlich bei ADHS eingesetzt werden. Methylphenidat unterliegt betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften: In Deutschland ist es als verkehrs- und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft und unterliegt einer gesonderten Verschreibungspflicht.

Wieso bekommen immer mehr Kinder Ritalin verschrieben?
Fragt man bei betroffenen Eltern von Kindern mit ADHS genauer nach, geht es um Konzentrationsprobleme oder Sozialverhalten während des Kindergartens oder der Schule. In der Schule fällt das Verhalten von ADHS Kindern häufiger auf als in der Familie. Dies liegt sicherlich auch daran, dass in der Schule eine höhere Anpassungsleistung erbracht werden muss und das einzelne Individuum(ADHS-Kind) nicht in dem dafür nötigen Mass aufgefangen werden kann. Aus der Politik ist auch keine Hilfe zu erwarten, es wird immer mehr Leistung gefordert (Pisatudien).  Die Forderungen sind frühere Einschulung und mehr Ausbildung schon im Kindergarten.  Bereits in der ersten Klasse erzählen Schüler von der Notwendigkeit Matura bzw. Abitur Abschluss zu benötigen, um einen guten Beruf erlernen zu können. Dieser Leistungsdruck führt Eltern häufig dazu ihren Kindern Ritalin verabreichen zu lassen.

Was bewirken Medikamente wie Ritalin?
Die Schulmedizin sieht die Ursachen des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) in einem genetischen Schaden und einer Stoffwechselstörung des Vorderhirns. Da das Dopamin freisetzende Molekül Methylphenidat ADHS  lindert, wird daraus geschlossen, dass unkonzentrierte und hyperaktive Kinder zu wenig von diesem Botenstoff selber produzieren können. Deshalb werden meist Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat verabreicht. Diese Medikamente werden unter den Handelsbezeichnungen Ritalin oder Concerta in Tablettenform abgegeben. Sie führen zu einer kurzzeitig erhöhten Leistungsfähigkeit und fördern die Aufmerksamkeit und Konzentration. Diese Eigenschaften machen sich nicht nur subjektiv bemerkbar, sondern sind auch objektiv messbar. Methylphenidat hat eine schwächere psychostimulierende Wirkung als andere Amphetamine, mit denen es verwandt ist. Bei den meisten Kindern mit ADHS treten nach der Einnahme von Medikamenten mit Methylphenidat die angestrebten Veränderungen im Verhalten ein. Doch nicht jedes lebhafte oder auffällige Kind hat ADHS und sollte Medikamente bekommen. Es ist äusserste Vorsicht geboten ein Medikament wie Ritalin einzusetzen. Denn die Langzeitfolgen von ADHS Medikamenten sind noch lange nicht erforscht und die Nebenwirkungen sind umstritten. Die Häufigsten Nebenwirkungen sind erhöhter Blutdruck, Appetitmangel, Wachstumsstörungen, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Depressionen. Zudem zeigen erste Studien, dass ADHS-Medikament Auswirkungen auf das Wachstum der Kinder haben können. In der Schweiz sollen Schätzungen zufolge rund sechs Prozent aller Kinder Methylphenidate schlucken.

Ganzheitliche Sichtweise bei ADHS gefordert
Aus meiner Sicht sollte man Wegkommen von der einseitigen neurologischen Sichtweise, bei der nur die Symptome unterdrückt werden. Ich plädiere für eine ganzheitliche Betrachtungsweise bei der Behandlung von ADHS. Dies als Alternativen zu Langzeitmedikation mit Produkten wie Ritalin. Der meist unterschätzte Faktor scheint mir der Einbezug einer gesunden Ernährung zu sein.  Ausserdem ist wichtig, dass ausreichend Bewegung vorhanden ist und eine Familiensituation besteht, welche die  Grundlage für eine geordnete Struktur bilden.  Denn Kinder mit ADHS brauchen in der heutigen Konsumgesellschaft eine bessere Begleitung und Förderung ihrer Eltern, welche Ihnen vernünftige Grenzen setzen können. Auf keinen Fall hilft Ihnen eine forcierte Integration mit Hilfe eines Medikaments. Alternative Therapien wie das Neurofeedback werden sowohl in der Schweiz wie auch im europäischen Raum mangels besserer Kenntnis oft gerne als völlig ungeeignet hingestellt. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass die Neurofeedback  nicht nur eine Ergänzung sondern auch eine Alternative zur schulmedizinischen Behandlung mit Methylphenidat ist. Wichtig erscheint mir auch, dass in Grenzsituationen wenn ausgesprochen grosse Probleme im Sozialverhalten innerhalb der Familie und Schule auftreten, eine Behandlung mit Methylphenidat phasenweise sinnvoll ist. Dies wiederum um die Symptome zu mildern und den Ansatz für alternative Methoden wie Neurofeedback zu ermöglichen. Ein guter Ansatz erscheint mir zuerst mit Neurofeedback zu beginnen und wenn keine Fortschritte erzielt werden kann immer noch ein Methylphenidat eingesetzt werden. Mittlerweile befürworten auch Schulmediziner alternative Konzepte. Der Grund liegt darin, dass nur alternativ Therapien wie Neurofeedback auf die Kernsymptome des ADHS wirken.


Dienstag, 10. Mai 2011

ADHS Kinder sind anders

Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit ab vom Weg zur Weisheit. (Chinesisches Sprichwort)


Im Umfeld von ADHS wird speziell von den Eltern und Lehrern viele abverlangt, das chinesische Sprichwort bringt es auf den Punkt. ADHS Kinder sind in vielen Verhaltensweisen anders, sie denken anders, sie nehmen anders wahr und sie finden andere Lösungswege. Wir alle neigen dazu, die Norm als richtig zu definieren. Kinder mit ADHS sind jedoch nicht in dieser Norm, weil Sie ihre eigenen Strategien haben. Ihre Lösungen unterscheiden sich von denen anderer Kinder.
Sind diese Lösungen deshalb falsch?

Beispiel: Fabel vom Raben
Der Rabe hatte sich Käse gestohlen und sich anschließend auf einem Baum niedergelassen um sich über den Leckerbissen herzumachen. Dies beobachtete ein Fuchs und sagte zum Raben*: 

--- Bitte schreibe: was der Fuchs zum Raben sagt. ---

Diese Worte schmeichelten dem Raben sehr. Sofort öffnete er seinen Schnabel und begann zu krächzen, dabei fiel ihm das Stück Käse heraus. Reineke schnappte sich das Essen und rannte davon.

Für alle ausser dem ADHS Kind ist es klar das der Fuchs versucht den Raben zum sprechen oder singen zu bringen. Ein ADHS Kind wird eine völlig neue Lösung suchen und finden. Falls Sie ein Kind mit ADHS haben testen Sie dies und lassen Sie sich überraschen.  Leider führen gerade diese überraschenden Lösungen  vor allem im schulischen Umfeld oft zu schlechten Noten. Dies weil die Normlösung gut benotet und die andersartige Lösung im besten Fall nicht schlechter benotet wird.

Woher kommt diese andersartige Wahrnehmung bei ADHS Kindern. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Eindrücken und Informationen  anders wahrgenommen und verarbeitet werden als bei sogenannt normalen Kindern. Für ein ADHS Kind ist die vorbeiziehende Wolke am Fenster gleich wichtig wie die Lehrerin an der Tafel. Sie haben Mühe die vielen Reize zu filtern. Dies führt zu einem oft nicht angepassten verhalten, welches besonders in der Schule nur schwer akzeptiert wird.

Inder Pause bekommen ADHS Kinder häufig zu hören: „Mir Dir spielen wir nicht mehr.“  Der Grund liegt auch hier in der andersartigen Wahrnehmung die gepaart ist mit einer tiefen Frustrationstoleranz. Durch die zusätzliche Impulsivität und schnelle Gereiztheit wirken Sie für andere Kinder dominant. Sie bekommen deswegen schnell Streit und werden damit von den Spielkameraden  mehr und mehr ausgegrenzt und verbringen die Pause alleine.


Eine andere Perspektive
Nehmen wir einmal an, dass wir nicht nur aus einem Körper aus Fleisch und Blut bestehen, sonder ein Wesen mit einer Seele sind. In diesem Falle sind die ADHS Kinder eher auf der Seele und nicht auf dem körperlichen. Dadurch sind sie empfänglicher für das geistige und weniger geeignet für der Erdendasein. Sie spüren auf dieser geistigen Ebene viele Einflüsse im zwischenmenschlichen Bereich, was zu einer Reizüberflutung führt welche Ihnen schnell zu viel wird. Durch diesen Fokus auf das Seelische sind ADHS Kinder meist eher ungeschickt im Umgang mit ihrem Körper, dies führt wiederum zu einer noch stärkeren Fokussierung auf das Seelische. Sie leben dadurch sehr in der Gegenwart, was man auch als verträumt wahrnimmt. Ihren Alltag zu strukturieren haben Sie wenig Interesse und brauchen deshalb mehr Zeit um sich im darin zu recht zu finden.  Auf Dinge, welche ihr Interesse wecken können sie sich sehr konzentrieren. Sie sind dann äusserst fokussiertt und wirken wie in einer anderen Welt. Dies funktioniert aber nicht auf Befehl, was ihnen grosse Mühe macht mit dem autoritären Verhalten von Erwachsen im Sinne von Machtausübung. Sie können aber eine natürliche Autorität sehr wohl akzeptieren, dass Sie ein Gespür für das echte und Wahre haben.





*Oh Rabe, wie prächtig glänzen deine Federn! Was hast du für einen anmutigen Körper! Ach, du bist einfach wunderschön! Wenn du auch noch singen könntest, wärst du für mich der schönste aller Vögel!"


Dienstag, 5. April 2011

Fragen zu ADHS

Grundsätzlich finde ich es auch bei einem Thema wie ADHS äusserst interessant anstelle von Antworten nach Fragen zu diesem Thema zu suchen.
In Anlehnung an die Fragen von MAX Frisch (20. Todestag am 4. April)habe ich versucht, diese Fragen auf ADHS umzuformulieren:


·         Sind Sie sicher, dass die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle  Bekannten keine ADHS-Defizite hätten, wirklich interessiert?

·         Warum ADHS? Stichworte genügen.

·         Wie viele Kinder würden nicht zur Welt kommen wenn ADHS vor der Geburt diagnostiziert werden könnte?

·         Kennen Sie jemand mit ADHS dem Sie lieber nie begegnet wären?

·         Wissen Sie sich ihrem Kind mit ADHS gegenüber, Ihrerseits im Unrecht und fühlen Sie eher sich selbst schuldig oder machen sie Ihr Kind mit ADHS dafür verantwortlich?

·         Möchten Sie wirklich alles über ADHS wissen?

·         Wenn es einen Politiker, Künstler, Sportler usw. gäbe der zugibt ADHS-Defizite zu haben? Würden es Sie mit Hoffnung erfüllen?

·         Wen, wenn Sie tot sind, möchten Sie wiedersehen? Wen hingegen nicht?

·         Kennen Sie eine Nation(Kultur) welche besser mit ADHS umgeht und wie?

·         Wie alt möchten Sie werden?

·         Wenn Sie ein Eigenschaft bzw. eine Auswirkung bei Ihrem ADHS Kind wegwünschen könnten, welche wären dies und würden Sie es tun?

·         Machen Sie für die Auswirkungen von ADHS leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person verantwortlich und verarbeiten Sie dies lieber allein oder in einem Kollektiv.

·         Wann haben Sie aufgehört zu meinen dass Sie alles über ADHS wissen, oder meinen Sie’s noch?

·         Was, meinen Sie, nimmt man Ihrem ADHS Kind übel und was nimmt es sich selbst übel?

·         Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Ihr ADHS Kind wäre nicht geboren worden, beruhigt Sie diese Vorstellung?

·         Wenn Ihr ADHS Kind was erlernen soll: wünschten Sie, dass Sie ihm dies lehren könnten, oder möchten Sie lieber dass es sich dies selbst erlernt.