Freitag, 22. März 2013

Neurofeedback als Peak Performance Training:



Mit dem heutigen Neurofeedbacktraining werden Fortschritte im Bereich
Intelligenz, Fokus und Gelassenheit erreicht
Was haben Top Manager, Spitzensportler und Kinder mit Konzentrationsstörungen gemeinsam? Sie alle können durch  gezielt Neurofeedback Trainings, Ihre Konzentrationsfähigkeit und damit Ihre  Leistung steigern. Dabei hinkt die Akzeptanz von Neurofeedback für Peak Performance als Einsatz im Spitzensport, dem Bei ADHS von Kindern etwas hinterher. Durch die neusten Technologien ist es nun auch möglich individuell Zuhause ein Training zu starten. Damit entfallen die enormen Kosten und der immense Zeitaufwand für die Besuche bei einem Spezialisten.

Hier ein Beispiel aus der sportlichen Vergangenheit:
In Italien machten einige der besten Fussballspieler des AC Mailand Neurofeedbacktrainings,  mit dem Ziel: die Verbesserung der Konzentration in kritischen Momenten. Interessanterweise wurde daraufhin Italien 2006 Weltmeister. Die Szene in der Zinedin Zidane die Nerven verloren hat und vom Platz gestellt wurde ist allen als Entscheidender Moment in Erinnerung.

Einsatzgebiete:
Neben Peak Performance Training wird Neurofeedback bereits bei einer grossen Anzahl von Situationen eingesetzt: Nebst dem Sport reichen die Anwendungen  von Stressmanagement, Gedächtnistraining, bis hin zur erfolgreichen Therapie  von Aufmerksamkeitsstörungen . Tatsächlich ist es so, dass es nur wenig gibt, was sich mit Neurofeedback nicht wirksam beeinflussen liesse — zumindest alles, das von der Hirntätigkeit abhängt.

Was versteht man unter Peak Performance?

Personen, welche Höchstleistungen in einem Bereich vollbringen, haben oft etwas gemeinsam: Sie haben die Fähigkeit entwickelt, sich gänzlich auf das, was sie erreichen wollen, zu konzentrieren. Anders ausgedrückt "Sie haben gelernt in einen Zustand einzutreten, indem sie völlig auf ihr Tun fokussiert sind. Sie können, einen Ort betreten, der höchste Konzentration und erhöhte Energie mit einem Gefühl innerer Ruhe und aktivem Engagement verbindet." Ein wichtiger Erfolgsfaktor dieser Winnertypen – seien dies Top Geschäftsleute oder auch spitzensportler – scheint zu sein, dass sie gelernt haben, sich diese Fähigkeit im Bedarfsfall abzurufen. Und genau das lässt sich mit Neurofeedback erreichen.

Wir kennen alle den Zustand von erhöhtem Fokus und starker Präsenz, beispielsweise in einer Extremsituation, beim Autofahren oder im Sport. In amerika wird dieser Zustand "Flow" genannt. Diese höchste Konzentration tritt nur temporär auf und kann deshalb nicht täglich genutzt werden. Peak Performance oder Flow gehen beispielsweise mit folgenden Verhaltensweisen einher:

ü  Flexible, fokussierte Aufmerksamkeit
ü  Äusserste konzentration
ü  Keine Versagensangst, hohe Leistungsbereitschaft verbunden mit entspannter Leichtigkeit
ü  Kontrolle über die seine Emotionen
ü  Erhöhte Intuition, Hohe Kreativität
ü  Gesteigerte Energie, auch im Hinblick auf grosse Belastungen
ü  Entscheidungsfähigkeit und ein gesteigerte Gedächtnisleistung


Trainieren Sie jetzt mit Neurofeedback Ihr Gehirn und steigern Sie Ihre Leistungsfähigkeit.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Mit Medikamenten zur Leistung!



Jeder zehnte Junge wird heute in der Schweiz wegen eines Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) behandelt. Die Zahlen zeigen, dass auch in der Schweiz bei Jungen die Diagnose ADHS häufiger gestellt wird als bei Mädchen. Um diese Kinder angepasster und leistungsfähiger zu machen, wird ihnen häufig der Wirkstoff Methylphenidat (MPH) verschrieben, der zum Beispiel in dem Medikament Ritalin enthalten ist. „Wir dürfen unsere Kinder nicht mit Medikamenten zur Leistung treiben“, appellieren Fachleute. „Kinder und Jugendliche stehen heute unter Leistungs-, Erwartungs- und Erfolgsdruck. ADHS wird hier oft als Erklärung für Schulversagen oder Schadensbegrenzung herangezogen.“ Es könne aber nicht sein, dass jemand, der den Erwartungen nicht entspricht mit Medikamenten passgenauer gemacht werden soll. „Erzieherische Leistungen, Zuneigung und Fürsorge können nicht durch Medikamente ersetzt werden“, betonen ADHS Experten

Es sei das eine, Kinder und Jugendliche auf die Ansprüche der heutigen Gesellschaft vorzubereiten. „Es ist jedoch etwas anderes, wenn Kinder und Jugendliche zur Erfüllung dieser an sie gestellten Ansprüche Medikamente nutzen müssen“, unterstrichen ADHS Fachpersonen und halten diese Entwicklung  für  höchst bedenklich. Zudem  sei es zu befürchten, dass zahlreiche ADHS-Diagnosen voreilig gestellt würden. „Hier sollte jedoch sorgsam und verantwortungsvoll vorgegangen werden“,

Ein Krankheitsbild wie ADHS müsse ernstgenommen werden, sagen ADHS Experten. Es müsse jedoch sichergestellt sein, dass bei der Behandlung von ADHS der Stand der medizinischen Wissenschaft eingehalten wird. „Die Diagnose kann nicht als Ausrede genutzt werden und ein Medikament wie Ritalin nicht als Wundermittel für die Erfüllung von Erwartungen“, betonen ADHS Experten. „Medikamente ja – aber nur wenn sie wirklich und unbedingt notwendig sind. Wir können unsere Kinder und Jugendlichen nicht auf ein Medikament einstellen, nur damit sie dem Erwartungsdruck gerecht werden.“ Zudem können die Nebenwirkungen des Wirkstoffes MPH vielfältig sein: Schlafstörungen, Essstörungen, Bluthochdruck oder vermindertes Wachstum.

Freitag, 20. Januar 2012

ADHS ist häufiger bei Knaben den Mädchen



Knaben sind häufiger betroffen als Mädchen.  Nach einer Ende 2011 veröffentlichten Studie aus  Bayern zeigen bei der Einschulung 13% der Knaben und nur 8% der Mädchen Symptome von Konzentrationsstörungen und  oder motorischer Hyperaktivität. Ab der vierten Klasse sind 18,8% der Knaben und 9,6% der Mädchen betroffen.

Sind alle diese Schüler krank? Welche unter ihnen benötigen Unterstützung? Und welche Therapien und Förderung brauchen sie wirklich? Wie geht unsere Gesellschaft mit ADHS als Symptom um?

Das Thema Medikament wird heiss diskutiert:
Wenn Schüler mit Medikamenten behandelt werden, um ihr Verhalten zu beeinflussen, wird man in der Gesellschaft hellhörig. Obwohl  ADHS als eine international am besten untersuchte Störung bei Kindern gilt,  und mit weit über 6.000 publizierten Studien auch sehr breit analysiert wird, sind die Diskussion oft ideologisch und emotional .
ADHS gilt mittlerweile als reale Krankheit und die Existenz von ADHS ist längst nicht mehr umstritten. Im Volksmund wird das Problem durch die Bezeichnung ‚Zappelphilipp’ sehr verniedlicht. Durch den Kinderbuchklassiker ist allen bekannt dass die betroffenen Kinder oft aufgedreht sind, einen fast aggressiven Bewegungsdrang entwickeln, aufbrausend sind, sehr leicht ausrasten und mit ihren unvermittelten Wutausbrüchen Eltern, Spielkameraden und Lehrer zur Weißglut bringen können. Wiederum andere ADHS Kinder können sich nicht konzentrieren, scheinen nicht zuhören zu können, sind leicht ablenkbar, vergessen viel. Die Familien sind verzweifelt und die Schule kapituliert vor der Herausforderung.

Auf einem Symposium  in München suchten ausgewiesene Experten die Antwort auf wichtige Fragen:
Sind Eltern und Lehrer im Umgang mit ADHS überfordert?
Wie können Fehldiagnosen und falsche Behandlungen vermieden werden?
Wie können Ärzte wirksam behandeln, und wann ist die Unterstützung durch Psychologen ratsam?

Renommierte Fachpersonen weisen den häufig erhobenen Vorwurf zurück, dass nicht das Kind das Problem sei, sondern die Industriegesellschaft, die keine unruhigen Kinder dulde und dass nur deshalb die Kinder auf eine von Erwachsenen vorgeschriebene Norm gedrillt werden sollen. Sie betonen: Kinder mit ADHS gibt es nicht nur in reichen Ländern, sondern auch in Uganda und China, in Südafrika, Puerto Rico oder Mexiko.

Beginn schon im Kindergarten
Das größte Problem liegt in der gestörten Konzentrationsfähigkeit mit Beginn schon im Kindergarten: Das Kind wechselt die Spiele , weiß oft nicht, was es machen soll und hat dann schlechte Laune. Das Zusammenspiel mit anderen ist oft gestört, weil das Kind die Spielregeln nicht einhält, es ist ungestüm  und wird schon bald von anderen Kindern als Spielpartner gemieden.

Chancengleichheit für ADHS Kinder
Fachkreise unterstreichen jedoch: „Es geht nicht darum, die Jugendlichen brav zu machen, sondern darum, ihre Chancen zu ihrer persönlichen Entwicklung zu erhalten. Die Kinder haben ein Recht auf eine Sonderbehandlung, die ihnen eine ungestörte Entwicklung ermöglicht. Wird ihnen nicht geholfen, droht das Versagen in der Schule, die Einweisung in eine Sonderschule oder die Entwicklung sozial unangepassten Verhaltens“.

Dies bedeutet das Jugendliche mit einem diagnostizierten ADHS bis  zu 60 Prozent seltener eine Matura machen als unbelastete Kinder. Das sei ungerecht, wird von verschiedenen Fachpersonen bestätigt: „Darf man ihnen den Weg zur Matura verwehren, ihnen also eine Ausbildung zumuten, die ihren Fähigkeiten nicht angemessen ist, nur weil dies für alle beteiligten mehr Aufwand bedeutet? Die Verantwortlichen (Eltern und Lehrer) müssen nicht nur abwägen, ob das beim individuellen Schüler  vertretbar ist, sondern die Gesellschaft muss einen Konsens zu der Frage finden, ob wir es uns ökonomisch leisten können, auf die optimale Ausbildung Begabter mit Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen zu verzichten“.

Der Leidensweg dauert oft Jahre
Jugendliche  mit ADHS sind in allen Aspekten des täglichen Lebens signifikant benachteiligt. Sie haben Probleme in der Familie und Schwierigkeiten im sozialen Bereich. In der Schule haben sie mehr Abwesenheiten als ihre Mitschüler, jeder vierte ADHS-Jugendliche zählt zu den Schlusslichtern  seiner Klasse. Auch die Suche nach fachlicher Hilfe ist mühevoll: Die Eltern brauchen im Durchschnitt mehrere Jahre, bis sie eine endgültige Diagnose haben.
Nach aktuellen Angaben haben insgesamt  4,8% aller 3- bis 17-Jährigen eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, Jungen mit 7,9% wesentlich häufiger als Mädchen (1,8 %). Der große Unterschied zwischen den Knaben und Mädchen besteht in allen Altersgruppen.

Es ist nicht leicht, für das einzelne Kind mit einem ADHS die optimale Behandlung zu finden. Es empfiehlt sich eine "multimodale" Therapie, d.h. eine Behandlung mit verschiedenen Bausteinen, bei der die Unterstützung für das Kind und die Eltern im Vordergrund stehen. Die Kinder mit ADHS benötigen eine konsequente Erziehung und eine verständnisvolle Unterstützung von Eltern und Lehrern. Hilfreich ist eine wohnortnahe kontinuierliche, auch kurzfristig zugängliche Unterstützung von Kind und Familie. Dies gewährleistet die Möglichkeiten der pragmatischen und lösungsorientierten Massnahmen, wie gesunde Ernährung und zuckerarme Getränke. Im Weiteren kann durch regelmässige Einnahme von Omega 3 Fettsäuren die Ernährung optimiert werden. Als längerfristige Verbesserung bietet sich eine Neurofeedbacktherapie an. Damit erreichen Sie nicht die sofortige Wirkung wie mit Medikamenten, sondern begehen einen langwierigen Weg mit „Ups“ und „Downs“. Die ADHS-Fachleute sind sich einig, dass eine ausschließlich medikamentöse Behandlung von ADHS ungenügend ist. Notwendig sind vielmehr ganzheitliche Lösungsansätze, die je nach Situation des Kindes die geeigneten Maßnahmen umfassen.  Die Erfolg versprechende medikamentöse Therapie darf aber nicht länger nur  verteufelt werden. Trotz allem sollten sich Eltern die Option mit Medikamenten offenhalten und nicht dogmatisch ablehnen. Als letzte Massnahme wenn sie keinen Ausweg mehr sehen kann dies die Lösung sein oder zumindest die Überbrückung von sehr schwierigen Zeiten.

Wichtig zu Wissen
Neu sind die Erkenntnisse zur erblichen Belastung von ADHS in der Familie. Jedes dritten Kindes mit ADHS weist zumindest ein Elternteil mit entsprechenden Symptome auf. Unter eineiigen Zwillingen sind wesentlich häufiger beide Kinder betroffen als bei zweieiigen. Dieser Zusammenhang wird in einer neuen Studie bei ADHS-Kindern und ihren ebenfalls davon betroffenen Müttern an der Universität Würzburg erforscht. Eine weitere aktuelle Studie an der Universität Mainz erforscht den Zusammenhang zwischen Omega-Fettsäuren und ADHS.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Schulalltag für ADHS Kinder


Elena Und Luca sind normal intelligente Primarschüler. Aber beide verbindet ein Problem: Mit Buchstaben stehen sie auf Kriegsfuss. Wenn die Diagnose Lese-Rechtschreib-Schwäche steht, kann geholfen werden.

Nächste Woche muss Luca ein Referat über Irland halten, genauer gesagt über Nordirland. Er hat ein großes Plakat gebastelt, die wichtigsten Orte eingezeichnet und aus dem Internet ein paar Fotos beschafft. Jetzt steht er in seinem Kinderzimmer, schiebt die Brille zurecht. "Nordirland ist ein Teil Irlands. . ." Auf dem Boden sitzt Lucas Mutter zwischen zahlreichen Stofftieren, darunter "Frau Sutter", ein gefährlich dreinblickender grüner Drache. "So hieß Lucas erste Klassenlehrerin"..

Frau Sutter war es, die in der zweiten Klasse bemerkte, dass Luca immer noch mit den Fingern zählte, mit Lesen und Schreiben nicht weiterkam. "Weil er immer schon etwas verträumt war, diagnostizierte sie eine Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) und begann ihn zu therapieren".  Die Eltern vertrauten ihr, glaubten mit einer Montessori-Schule für ihr Kind, das in den frühen Lebensjahren viel Zeit im Krankenhaus verbracht hatte, den richtigen Weg gefunden zu haben: "Heute wissen wir, dass diese freie Arbeit gerade das Falsche war. Luca braucht Regeln."

Die Eltern warteten ab. Eine neue Lehrerin kauften Stäbe im Baumarkt, sägte sie in Stückchen, um Luca ein Verständnis für den Zahlenraum zu vermitteln, sie übte Diktate bis zum Erbrechen: "Ich war beinahe verzweifelt, weil ich nicht verstehen konnte, warum mein Kind das nicht begreift. Ein Wort, das er an einem Tag richtig schreibt, ist am anderen nicht wieder zu erkennen." Inzwischen weiß sie, dass Luca "mit zwei Teilleistungsstörungen gesegnet" ist. Er hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Woher das kommt? Ein bildungsfernes Elternhaus, oft als Grund genannt, fällt bei Luca aus: Sein Vater hat studiert, die abendliche Vorlese-Geschichte ist ein Familien-Ritual. Die Mutter ist Spezialistin für Informationstechnik. Ihrem grundlegenden Misstrauen ist es zu verdanken, dass Luca heute mit seinen Defiziten zurechtkommt. "ADHS passte nicht zu meinem Kind. Da war ich mir sicher",. Sie ließ Luca in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) testen: "Das Ergebnis war erschütternd. Er konnte nichts, was in seiner Altersstufe normal gewesen wäre." Der IQ-Test des damals Achtjährigen fiel dagegen normal aus. "Gut, dass wir es abgelehnt hatten, ihn die ersten Klasse wiederholen zu lassen".

Elenas Eltern standen kurz davor, ihre Tochter auf eine "Ehrenrunde" zu schicken. Am Ende der ersten Klasse konnte sie einfachste Worte nicht schreiben, "g" und "k", "d" und "t" auseinanderzuhalten, daran war nicht zu denken. "Wir dachten, Elena braucht eben etwas länger", sagt Ihr Vater : "Bis Petra vor mir stand."

Petraa ist nur zwei Jahre älter als Elena und geht mit ihr in die Mittagsbetreuung: "Eines Nachmittags stand sie beim Abholen da mit Elena an der Hand. Dann verkündete sie mir: Elena hat LRS. Du musst mit ihr zum SPZ. Ich war völlig perplex. Aber als ich nachlas, war mir klar: Es passt alles." Die verwechselten Buchstaben, das ganze Üben zuhause, das nichts besser machte, sondern nur Mutter und Tochter den letzten Nerv raubte, zu Stress und Frust führte. "Elena hat drei Minuten gebraucht, um einen Satz zu lesen. Dann hat meine Frau drei Seiten vorgelesen, damit es einigermaßen vorwärts ging. Und das jeden Tag. Elena bockte, meine Frau verlor irgendwann die Geduld."

Zwei Monate dauerte es, bis zum Termin beim SPZ bekamen. Diagnose: Ausgeprägte Lese-Rechtschreib-Schwäche. Warum Petra wusste, was alle anderen nicht gesehen hatten? Sie ist ebenfalls betroffen. Jetzt besuchen die Mädchen zusammen den Förderkurs in ihrer Grundschule. "Elena geht zusätzlich in ein privates Institut, das eng mit den Lehrern zusammenarbeitet. Seitdem ist die Situation zuhause deutlich entspannter", erzählt Ihr Vater..

Auch Luca geht in ein privates Institut, eine Zusammenarbeit mit den Lehrern dort lehnte Frau Sutter aber ab. Trotzdem machte Luca Fortschritte, die Eltern dachten alles laufe gut. Bis die Eltern eines Tages in die Schule gerufen wurden. Luca war aus der Klasse gerannt, hatte sich auf den Boden geworfen und sich selbst geschlagen. Autoaggressive Störung nennt sich das im Fachjargon. Einmal mehr hatte Frau Sutter den Jungen gezwungen, vor der ganzen Klasse zu lesen. Das war der Auslöser für seine Verzweiflung gewesen. "Wir waren total geschockt. Da war uns klar: Luca muss da weg".

Mitte der dritten Klasse wechselte Luca in eine ganz normale Grundschule. Im Rechnen hatte er aufgeholt, bis die Textaufgaben kamen. "Dass sich die LRS auf alle Fächer auswirkt, das hatten wir nicht bedacht", sagt die Mutter. Eine Stunde pro Woche ist er im Institut, dazu kommen jeweils etwa drei Stunden Hausarbeit.

Er macht Fortschritte, Probleme wird Luca aber immer haben. denn "Wie sollen die Lehrer den Kindern länger Zeit geben? Wenn die Stunde vorbei ist, ist sie vorbei. Der Lehrer muss in die nächste Klasse oder mit dem nächsten Fach beginnen. In unserem Schulsystem kann das nicht funktionieren."

Gerade hat Luca wieder eine Zwei im Diktat bekommen. "Er war traurig, natürlich. Aber wenn die Leistung nicht bewertet worden wäre, hätten auch alle gewusst, dass er schlecht war. Das macht keinen Unterschied." Viel wichtiger war fürLuca das Smiley, das die Lehrerin ihm hingemalt hat, als Zeichen des Lobes. Luca hat ein Ziel: Er will 2012 die Sekundarschule schaffen. Im Rechnen steht Yannick auf einer 3, in Deutsch könnte es sogar noch besser werden, weil er die Diktate durch gute Grammatikleistungen und Mitarbeit ausgleicht. Deshalb übt er jetzt auch sein Referat - "Frau Sutter" hört zu. Zu sagen hat sie nichts mehr.